Kalte Heizkörper

In diesen Tagen bescherte uns der Winter wieder einmal sehr tiefe Aussentemperaturen. Dies hatte u.a. zur Folge, dass sich die Beschwerden bei den diversen Hausverwaltungen wegen zu kalter Heizkörper gehäuft haben.

Dabei ist es mehr als paradox, dass ein Großteil der Anrufer sich darum sorgt, dass die Heizkörper warm genug sind, ohne aber zu wissen, welche Raumtemperatur sie in der Wohnung überhaupt haben. Viele Bewohner haben offensichtlich noch immer die Heizungen aus dem vorigen Jahrhundert im Kopf, wo es erst dann „gemütlich“ war, wenn die Ofenröhre des Holzofens so richtig schön glühte. Dabei verfügt der Großteil aller Wohnungen heute über Zentralheizungen in verschiedenen Formen. Am meisten verbreitet sind Heizungen mit Radiatoren, die von Heizungswasser durchströmt werden. Sehr viele Bewohner – und leider auch Verwalter – sind der irrigen Meinung, ein Heizkörper müsste im Idealfall von oben bis unten gleich warm sein. Eine Heizung, die dieser Irrmeinung nahe kommt (gleich warm ist physikalisch schon gar nicht möglich), muss aus heutiger Sicht als eine schlechte und vor allem sehr ineffizente Heizung bezeichnet werden.

Eine moderne und effiziente Heizung hat nicht die Aufgabe, unsinnige Mengen an heißem Wasser durch das Haus zu transportieren. Eine gute Heizung transportiert so wenig Heizungswasser als möglich, wobei das nur dann funktioniert, wenn das gesamte Heizungssystem so abgeglichen ist, dass jeder Heizkörper zu jeder Zeit genau die Wassermenge bekommt, die er zum Beheizen des betreffenden Raumes benötigt. Bei einer derart gebauten und eingeregelten Heizung ist es „normal“, dass ein Heizkörper an der Oberseite zB. 60°C aufweist, an der Unterseite aber nur mehr Temperaturen von knapp über der Raumtemperatur. Dass damit ein Raum ausreichend beheizt werden kann, ist selbstverständlich. Dass damit aber viel Strom bei den Heizungspumpen gespart werden kann und die Leitungsverluste der außerhalb der Wohnungen liegenden Rohrleitungen minimiert werden können, ist vielen so nicht bewusst. Auch nicht die Tatsache, dass diese Bau- und Betriebsweise es erst ermöglicht, auch im Winter alternative Energieformen (zB. Solarenergie, Abwärme) zu nutzen. Übrigens sollten eine derart sparsame Betriebsführung alle Heizungen in etwa ab dem Jahr 2000 „können“.

Bevor sie sich bei der Hausverwaltung über ihre Heizung beschweren, bedenken sie bitte diese Punkte:

  • Ob die Heizung ausreichend funktioniert, kann nur mit einem guten Zimmerthermometer festgestellt werden. In Wohnräumen sollten an die 22°C jedenfalls erreicht werden.
  • Beurteilen sie die Funktion eines Heizkörpers nicht durch Abtasten mit den Händen. Metallflächen unter der Körpertemperatur von 37°C werden immer als „kalt“ empfunden, dabei gibt ein Heizkörper auch mit 30°C natürlich immer noch Wärme an den Raum ab.
  • Eine Zentralheizung funktioniert dann am besten und wirtschaftlichsten, wenn die Heizkörper nicht ständig auf- und zugedreht werden. Bei kontinuierlichem Betrieb ist schon mit geringeren Heizungswassertemperaturen eine sehr angenehme Raumtemperatur sicherzustellen, da die Umfassungsbauteile (Wände und Decken) sowie das Mobiliar nicht auskühlen.
  • Nutzen sie die Funktion der Thermostatventile, stellen sie diese auf einen sinnvollen Wert ein (zB. 21°C) und verändern sie diese Einstellung nicht mehr. Da die Ventile keine Angaben der Raumtemperatur aufweisen, sondern nur Kennziffern, erkundigen sie sich über die den Kennziffern zugeordneten Raumtemperaturen.
  • Sollte es ihnen zu warm oder zu kalt sein, verstellen sie das Thermostatventil nur geringfügig und warten sie mindestens 2 Stunden vor einer neuerlichen Verstellung ab. Wenn sie die für sie ideale Einstellung gefunden haben, markieren sie die dazu gehörige Position am Thermostatkopf mit einem nicht (leicht) abwischbaren Filzstift.
  • Verzichten sie bei Außentemperaturen unter 0°C auf jegliche Nachtabsenkung. Die Nachtabsenkung produziert nur unsinnig hohe Lastspitzen am Morgen und verursacht in Summe zu hoch eingestellte Heizungen und extrem hohe Verluste.
  • Wenn die Raumtemperatur passt und ihr Heizkörper unten „kalt“ ist, können sie sich freuen, denn (nur) dann haben sie eine wirtschaftliche und sparsame Heizung.

Zum Bild: Die Kennziffern auf den Thermostatventilen können bestimmten Raumtemperaturen zugeordnet werden (bei dieser Type entspricht die Position 3 einer Raumtemperatur von ca. 20°C, die Position 4 entspricht einer solchen von 24°C). Es sollten daher nur geringe Verstellungen vorgenommen werden. Dieser Thermostatkopf ist zB. eingestellt auf ca. 22,5°C.