Machen Lobbyisten alles kaputt?

[15.07.2026 Update 19.07.2026]

Bild KI-generiert

Da darf Google auf der grünen Wiese ein Rechenzentrum bauen und der Strom kommt aus der Steckdose. Der Bedarf ist riesig („Nach Einschätzung des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid könnte der jährliche Strombedarf des Google-Rechenzentrums im Vollausbau dem Verbrauch von bis zu 900.000 Haushalten entsprechen. Oberösterreich hat zum Vergleich rund 676.000 Privathaushalte.“ Quelle ORF).

Niemand kommt auf die Idee, Google vorzuschreiben sich den Strom selbst ERNEUERBAR zu erzeugen. Und diese gigantische Strommenge bedeutet 1:1 eine genauso gigantische ABWÄRME, die – wenn sinnvollere Nutzung Geld kosten sollte – über die Enns angeführt wird. Auch da hätte Google für eine nachhaltige Lösung reichlich Geld in der Portokassa.

Haben da Googles Lobbyisten wieder einmal einen guten Job gemacht und die Politik schaut zu?
Mein Anstand hindert mich daran das zu kommentieren.

Als Leserbrief veröffentlicht in den Salzburger Nachrichten vom 16.07.2026

PS: Die Gemeinden Kronsdorf hat rund 3.500 Einwohner, das sind – optimistisch gerechnet  – rund 1.000 Wohnungen, die insgesamt rund 12 bis 15 MW Wärmeleistung für Heizung und Warmwasser benötigen. Kommen da noch öffentliche Gebäude und ein paar Geschäfte dazu, werden es vielleicht 30 bis 50 MW Gesamt-Heizleistung, die der Ort bei Anschluss aller (!) Gebäude abnehmen kann (und das nur im tiefen Winter). Die Abwärme, die im Betrieb anfällt, liegt in einer Größenordnung von 400 bis 1.000 MW und kann nie und nimmer in einem relevanten Anteil in diesem nicht städtischen Gebiet abgenommen werden. Ganz abgesehen davon dass ein Fernwärmeausbau bei dieser geringen Anschlussdichte nie und nimmer den Bereich der Wirtschaftlichkeit erreichen kann, den Google wird die dafür notwendigen 50 bis 100 Millionen Euro nie und nimmer freiwillig bezahlen. Und was würde aus dem Netz, wenn Google von heute auf morgen einfällt, Kronsdorf wieder zu schließen? Durch die geringe Dichte an Abnehmern wäre ein Weiterbetrieb selbst mit Hackgut (wer bezahlt dann das Biomasseheizwerk?) wohl kaum wirtschaftlich und die Energiekosten für die dann von der Leitung abhängigen Abnehmern in albtraumhafter Höhe.
Ich frage mich, warum man Google nicht dazu nötigt, die notwendige Strommenge nicht „erneuerbar“ einzukaufen, sondern gefälligst SELBST herzustellen; der Platz für die dazu notwendigen Windkraftwerke wird sich finden und der Platz für zusätzliche, riesige PV-Flächen wohl auch – wenn auch nicht in unmittelbarer Nähe des Rechenzentrums. Und dass das am Geld scheitert, das kann Google wohl niemanden erzählen.

PS: Und was passiert mit der Enns?

Mittleres Niedrigwasser der Enns (MNQ): Ca. 55 m3/s
Absolutes niedrigstes Niedrigwasser (NNQ): Ca. 21 m3/s

Berechnung der Temperaturerhöhung im ungünstigsten Fall:
Wärmeleistung Q: 500.000.000 W oder J/s
Massenstrom m: Bei 21 m3/s entspricht das exakt 21 kg/s .
Spezifische Wärmekapazität von Wasser p: ca. 4.184 J / (kg * K)
Setzt man die Zahlen in die Formel ein: delta t = 500000000 / 21000 * 4184 dann bekommt man 5,69 K Temperaturanhebung in der Enns (ca. 6°C Erhöhung – Temperaturdifferenzen werden üblicherweise in Kelvin angegeben).
Sehr schlecht: der Bedarf an Kühlwasser ist genau dann am höchsten, wenn die Enns am wenigsten Wasser führt (Sommer).

NUR: Der FEHLER beginnt ja schon viel früher! Es ist ein WAHNSINN, diese Abwärme einfach abzuführen anstatt sie zu nutzen. In Kronsdorf ist eine sinnvolle Nutzung vorerst gar nicht möglich, da nicht einmal alle Wohnungen des Ortes diese Abwärme im Sommer brauchen, d.h. da müsste ZUSÄTZLICH eine Industrie dazu kommen, die viel, sehr viel Wärme brauchen kann (auch im Sommer). Davon lese ich schlicht und einfach NICHTS. Die Gesamtidee ist absolut nicht fertig gedacht und das Rechenzentrum entsteht einfach am absolut falschen Ort ohne relevante Wärmeabnehmer – weil´s für Google billiger ist.

65 Kommentare

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